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Serafina und der große Hexenzauber

illustriert von Edda Skibbe

Auf dem Sterbebett hat Urgroßtante Alfonsine Serafina gebeten in Alfons Zettelbaums altem Haus nach einem geheimnisvollen Ding zu suchen, mit dem man angeblich alle Menschen verzaubern kann. Doch die Hexe Serafina hat nicht mit ihren beiden fiesen Cousinen Aloisia und Sigmunde gerechnet, die alles tun, um ihr zuvorzukommen
und auch nicht davor zurückschrecken, Serafina in
eine Nachtigall zu verwandeln.  Ein Wettlauf mit
der Zeit beginnt.

Zweiter Serafina-Band, auch als Taschenbuch

Hörbuch

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In aller Welt
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Leseprobe

Sigmunde und Aloisia stehen vor ihren Kleiderschränken und werfen Hüte, Hosen, Blusen, Röcke wahllos auf's Bett.
Aloisia zwängt sich in eine lila-weiß getupfte Jacke mit Rüschen am Kragen. Als sie den Knopf über dem Busen schließen will, platzt die Ärmelnaht.
"Du wirst nicht nur älter, sondern auch immer dicker", sagt Sigmunde und steigt in eine erbsengrüne Hose.
"Und du bist dafür klapperdürr wie eine Vogelscheuche", faucht Aloisia zurück.
Es stimmt, Sigmunde ist inzwischen so mager, dass ihre Beine ein O bilden wie zwei Krummschwerter.
Aloisia beugt sich vor zum Spiegel und schüttelt ihre roten Locken. "Ein weißes Haar!", kreischt sie. "Guck mal, hier oben!"
Sigmunde guckt. "Was regst du dich so auf, du musst sie eben färben so wie ich, das ist alles."
"Ach was, ich zaubere mich für immer tizianrot", sagt Aloisia und will gerade mit dem Finger schnipsen, da fällt Sigmunde ihr in den Arm.
"Halt! Wir dürfen nicht länger einfach so rumzaubern."
"Hör ich recht? Erzähl mir nicht, dass du dich jetzt an das Verbot der alten Schachtel halten willst!", sagt Aloisia und rupft sich das weiße Haar aus.
"Natürlich nicht, aber du siehst doch, was mit uns passiert. Alfonsine hat uns verflucht."
"Und was sollen wir deiner Meinung nach tun?"
Sigmunde setzt sich aufs Bett und zwirbelt nachdenklich eine blonde Haarsträhne.
"Bevor sie den Löffel abgab, hat die Alte unserm Fräulein Superbrav doch irgendwas erzählt, erinnerst du dich?"
Aloisia setzt sich neben ihre Schwester. "Du meinst diese langweilige Serafina?"
Sigmunde nickt. "Genau. Irgendwas von einem Zauber in Urgroßonkel Alfons Haus. Wenn wir den finden, sind wir fein raus. Dann bleiben wir in der Menschenwelt und leben wie die Made im Speck."
"Gehen in die tollsten Restaurants!", jubelt Aloisia.
"Kaufen uns superteure Modellkleider, nicht so billigen Plunder aus dem Katalog." Verächtlich schiebt Sigmunde mit dem Fuß einen Haufen Pullover beiseite.
"Und alle Männer müssten sich in uns verlieben", sagt Aloisia.
"Und wenn nicht, verwandeln wir sie in Frösche!"
Aloisia gackert und Sigmunde wiehert vor Lachen.
"Aber bis wir den Zauber von Urgroßonkel Alfons gefunden haben, brauchen wir Geld", sagt Sigmunde.
"Was meinst du, wie viel?", fragt Aloisia.
"Keine Ahnung", sagt Sigmunde. "Vielleicht tausend?"
"Weiter als bis tausend kannst du wohl nicht zählen, was?"
Du denn?", keift Sigmunde zurück.
"Ich hab eine Idee! Wir machen's wie in diesem Märchen, wir lassen Gold und Silber regnen!", ruft Aloisia und schnipst mit dem Finger.
Sofort erscheint auf ihrem Kinn eine hässliche Warze und von der Decke fallen Münzen. Sie prasseln den beiden auf Kopf und Arme. Aloisia duckt sich.
"Aua!", schreit Sigmunde. "Aufhören, verdammt noch mal!"
Sie schnipst und der Gold- und Silberregen versiegt. "Ich krieg ja überall blaue Flecken, bin nicht so gut gepolstert wie du", beschwert sie sich.
Aloisia wühlt in dem schimmernden Haufen und wirft eine Handvoll Goldmünzen in die Luft.
"Also worauf warten wir noch, auf nach Wurzberg!"
 

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