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Miss Braitwhistle hebt ab

illustriert von Susanne Göhlich

In der 4a liegen die Nerven blank. Bald gibt's Zeugnisse und Miss Braitwhistle ist nicht da, um die Kinder vor schlechten Noten zu retten! Als keiner mehr
damit rechnet, taucht die fabelhafte Lehrerin wieder auf. Doch etwas ist anders: Statt Teekanne und Blümchentasse holt sie plötzlich eine stinknormale Thermosflasche aus ihrer Tasche und ihre Kreide löst plötzlich keine Matheaufgaben mehr. Hat die 4a sich getäuscht? Kann Miss Braitwhistle am Ende gar nicht zaubern?

Hörbuch

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In aller Welt
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Leseprobe

Als wir am nächsten Tag in die Schule gekommen sind, standen die aus der 4b vor dem Schultor und jeder hatte eine dicke fette Eiswaffel in der Hand. Albrecht, der Klotz hatte fünf Kugeln! Hoffentlich fiel ihm eine davon runter und in den Dreck.
„Wo habt ihr denn das Eis her?“, hat Max gefragt und sich die Lippen geleckt.
„Na, von wo wohl?“, hat Tobias gesagt. „Aus dem Cortina natürlich.“
Aki hat mich angeschaut und ich hab Aki angeschaut und wir haben beide das gleiche gedacht: Die hatten das Eis von unserem Geld gekauft!
„Willst du mal von mir probieren, Rosa?“, hat Tobias gefragt. „Ich hab Vanille mit gerösteten Mandeln.“
„Und ich Himbeersahne!“
„Wer will Nussnougat kosten?“
So schrien die aus der 4b durcheinander und leckten gegenseitig an ihren Eiswaffeln.
Wir haben natürlich so getan, als würden wir uns nicht die Bohne was aus Eis machen, dabei hätte ich am liebsten einem die Tüte aus der Hand gerissen. Und Max hat Rosas rosa Eis angestiert, als wollte er es hypnotisieren, damit es aus Rosas Waffel springt und ihm in den Mund.
Aki und ich sind in die Schule rein und haben gekocht vor Wut. Wenn doch bloß Miss Braitwhistle da gewesen wäre, die hätte der 4b Flöhe angehext oder ekligen Ausschlag oder Haarausfall oder sonst was richtig Fieses.
Wo war sie? Und warum hatte sie uns im Stich gelassen?
Während wir noch überlegten, wie wir es der 4b am besten heimzahlen konnten, rannten plötzlich Tobias und Albrecht an uns vorbei und verschwanden im Klo.
Als sie wieder rauskamen, hat sich Albrecht den Bauch gehalten und gesagt: „Fünf Kugeln waren vielleicht doch eine zuviel.“
Ich hab Aki angeschaut und Aki hat mich angeschaut.
„Wir klauen denen einfach das Klopapier“, hat Aki vorgeschlagen.
Das war mal eine gute Idee. In der großen Pause sind wir auf die Toilette und haben das Klopapier aus den Kabinen geholt. Hugo stand die ganze Zeit daneben, ruckelte an seiner Brille und meinte: „Das ist bestimmt verboten.“
Damit er uns nicht weiter nervte, haben Max und Clemens ihn an den Armen festgehalten und Aki und ich haben Hugo mit Klopapier eingewickelt, sodass er aussah wie eine Mumie. Zwei Erstklässler, die bloß mal Pipi machen wollten, haben sich so erschreckt, dass sie schreiend weggerannt sind. Da haben wir anderen uns auch in Mumien verwandelt. Und immer, wenn einer aufs Klo wollte, sind wir aus den Kabinen gesprungen und haben gruslige Mumiengeräusche von uns gegeben: „Huhuhuhu“ und „Wihihihihi“.
Als es zur Stunde klingelte, haben wir uns schnell das ganze Papier vom Leib gerissen und in die Kloschüsseln gestopft. Dann sind wir in die Klasse gestürzt, denn Herr Fischli hatte gesagt, er hätte eine Überraschung für uns. Womöglich war die Überraschung ja Miss Braitwhistle und da wollten wir auf keinen Fall zu spät kommen.

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