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Aufruhr im Schlaraffenland

illustriert von Isabel Kreitz

Endlich Ferien! Philipp freut sich auf ein paar Wochen Nichtstun, doch sein Vater plant eine anstrengende Wanderung. Dummerweise spinnt auf dem Weg in den Urlaub das neue Navigationsgerät und die beiden landen statt in Obersemmelbach in einem seltsamen Ferienclub. Leckeres Essen ohne Ende und von den Bäumen kann man Geld und Kleidung schütteln. Aber warum gibt es außer ihnen und Familie Schultze aus Berlin keine Gäste?
Und welche Rolle spielt Harry Hanfstengel, der mit seinem Dobermann die Angestellten zur Arbeit antreiben muss?

Hörbuch

CoverSabine Ludwig

Aufruhr im Schlaraffenland

gelesen vonSabine Ludwig
VerlagOetinger audio
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Trocken und witzig, voller ironischer Untertöne, liest die Autorin ihren Kinderroman und serviert ein Krimimenü mit einem unerwarteten Dessert zum Schluss.

Kinder- und Jugendbuchliste Sommer 2010 (SR/Radio Bremen)


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In aller Welt
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Leseprobe

"Nach 500 Metern rechts abbiegen", quakte das Navi.
"Na, da bin ich ja gespannt", sagte Herr Paproth und fuhr langsamer.
"Nach 200 Metern rechts abbiegen!"
Weit und breit war kein Wegweiser, geschweige denn eine Abzweigung zu sehen.
"Jetzt rechts abbiegen! Rechts abbiegen!", plärrte das Navi.
"Dein Navi spinnt", sagte Philipp.
"Mein Navigationsgerät spinnt nicht", knurrte Herr Paproth.
"Dat Ding könnense doch glatt vergessen", sagte Carmen Schultze. "Ick seh hier keene Straße, nur den Trampelpfad dahinten."
Herr Paproth bog in den Trampelpfad ein.
"Na denn, gute Nacht", war Carmen Schultzes Kommentar und Justin jaulte: "Wann sind wir da? Ich muss mal! Ich muss mal Pipi!"
Es wurde düster und immer düsterer. Der Wald schien mit jedem Meter näher zu kommen, rechts und links peitschten Äste gegen das Auto. Herr Paproth stellte die Scheinwerfer an.
"Sie wollen hier doch nich etwa weiterfahren?", rief Carmen Schultze. "Drehen Sie um!"
Herr Paproth drehte nicht um, er ließ sich nicht gern etwas sagen, vor allem nicht, wenn er im Unrecht war.
Über das Lenkrad gekauert saß er da und versuchte verzweifelt, etwas zu erkennen, aber das war nicht möglich. Das Scheinwerferlicht schien von einer schwarzen Wand geschluckt zu werden.
Philipp fühlte sich wie in der Waschanlage, wenn von allen Seiten Wasser ans Auto klatscht und diese riesigen Bürsten auf einen zukommen. Aber was auf sie zukam, das waren keinen Bürsten, das waren auch keine Zweige mehr. Es schien eine breiige Masse zu sein, die am Fenster vorbeiglitschte. Herr Paproth stellte die Scheibenwischer an, aber die waren der zähen Masse nicht gewachsen und ruckten nur hektisch auf und ab. Philipp bekam Panik. Womöglich waren sie in einen Sumpf gefahren und versanken nun langsam im Schlamm!
Verzweifelt umklammerte er den Türgriff. Furchterregende Geräusche waren zu hören: Saugendes Schmatzen, dann ein Gurgeln, und als er gerade die Augen schließen wollte, um den eigenen Untergang nicht auch noch mit ansehen zu müssen, da wurde es allmählich, ganz allmählich heller. Die Frontscheibe war zwar immer noch verschmiert, aber zwischen einzelnen Schlieren drang Licht in den Wagen. Sonnenlicht!
Sie hatten es geschafft! Sie waren gerettet.
"Na also, wer sagt's denn!", rief Herr Paproth triumphierend. "Auf mein Navi ist Verlass!"
Und Justin krähte fröhlich: "Mama, ich hab eingepullert!"


Aus: "Aufruhr im Schlaraffenland"
 

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